SoMePolis lanciert «Twittermonitor»

Nach einer längeren Planungs- und Umsetzungsphase können wir von SoMePolis ein Projekt vorstellen, das schon lange in unseren Köpfen herumgeisterte: der Twittermonitor ist ab jetzt unter twittermonitor.somepolis.ch erreichbar.

Mit dem Twittermonitor lancieren wir eine schweizweit einzigartige und innovative Web-App, die alle auf Twitter vertretenen Schweizer BundesparlamentarierInnen unter die Lupe nimmt. Und dies in Echtzeit, mit viertelstündlich aktualisierten Daten. Mithilfe eines intuitiven grafischen Konzepts kann auf einen Blick erkannt werden, wie aktiv und interaktiv sich eine Politikerin oder ein Politiker auf Twitter bewegt. Das zweisprachige, mobile-freundliche Interface erlaubt es zudem, die Daten einfach zu sortieren und zu filtern und so verschiedene Vergleiche anzustellen: Wer ist der/die aktivste Nationalrat/-rätin im Kanton Zürich? Welcher Ständerat, welche Ständerätin hat am meisten Follower? Wer gibt sich “volksnah”, und wer kümmert sich am meisten um seine/ihre Follower?

Aktivität und Interaktivität als Bestandteile eines transparenten Ratings

Wir waren uns einig, dass die Zahl der Follower für eine Rangliste von Schweizer PolitikerInnen auf Twitter deutlich zu kurz greift. Andere Rating-Systeme wie das von Klout berücksichtigen weitere Faktoren, verhalten sich aber wie eine Blackbox: sie erlauben es nicht, die Methode der Bewertung nachzuvollziehen und sind deshalb einer Demokratie unwürdig. Wir wollten kein weiteres Ranking produzieren, unter dessen Motorhaube man nur schwer oder gar nicht sehen kann.

Aus diesem Grund haben wir uns zwei simple, aber aussagekräftige Metriken, die das Verhalten einer Person auf Twitter gut beschreiben, überlegt: Aktivität und Interaktivität. Die Aktivität ist kurz und knapp definiert als das Alter des fünftletzten Tweets. In unserem System erhält ein/eine PolitikerIn den höchsten “Score”, wenn jener Tweet nicht älter als 5 Tage ist. Dies heisst, dass in den letzten fünf Tagen im Schnitt mindestens einmal pro Tag getwittert wurde – was wir für Angehörige des Parlaments als ziemlich aktiv bewerten.

Die Interaktivität ist definiert als der Anteil der “interaktiven” Tweets an den letzten 100 Tweets. Interaktive Tweets sind solche, welche entweder aus einem Retweet bestehen (Weiterverbreiten eines Tweets einer anderen Person), aus einem Reply (Antwort auf einen Tweet einer anderen Person) oder aber eine Mention beinhalten (Erwähnen einer anderen Person). Auch wenn jemand bisher weniger als 100 Tweets geschrieben hat, wird ein Interaktivitätslevel berechnet, maximal werden jedoch die 100 letzten Tweets analysiert. Die meisten Punkte erhält ein/eine PolitikerIn, wenn über 75% aller Tweets interaktiv sind.

Legende

Aktivität und Interaktivität

Das Level der Interaktivität ist unser Ansicht nach ein guter Indikator  dafür, ob ein/eine PolitikerIn das Wesen von Social Media, wie wir es verstehen, begriffen hat: Ledigliches Senden ohne jegliche Interaktion widerspricht diesem Gedanken diametral.

Die weiteren Details der Bewertungskriterien werden in den Fussnoten der App ausführlich erklärt.

In unserem Dashboard ist die Aktivität als vertikaler Balken, die Interaktivität als horizontaler Balken dargestellt (um konkrete Zahlen zu erhalten, genügt ein Überfahren der Balken mit der Maus). Das Rating ist schlicht und einfach das (mathematische) Produkt dieser beiden Kennzahlen. Wohlgemerkt: Hat ein/eine PolitikerIn in einer Dimension 0 Punkte, so beläuft sich auch das Rating auf 0 Punkte.

Einige Beispiele:

Christoph Mörgeli

Der Zürcher Nationalrat Christoph Mörgeli (SVP) ist ein aktiver Twitter-Nutzer, interagiert aber eher selten mit anderen Nutzerinnen und Nutzern. Das andere Extrem existiert auch: zum Beispiel scheint Nationalrätin Jacqueline Fehr (SP) sich auf Twitter besonders “volksnah” zu geben: Zum jetzigen Zeitpunkt sind rund 80% ihrer Tweets interaktiv. Dafür war sie in letzter Zeit nicht allzu aktiv.
Was unsere App ebenfalls klar macht, ist, dass es eine verhältnismässig grosse Zahl von PolitikerInnen gibt, die auf Twitter gar nicht oder kaum agieren – man sortiere nur mal aufsteigend nach Anzahl Tweets. Rund 10 der über 80 auf Twitter vertretenen BundesparlamentarierInnen haben bis heute weniger als 5 Tweets verfasst und erhalten daher ein 0-Rating.

Jacqueline Fehr

Uns ist bewusst, dass jede Art von Rating Vor- und Nachteile hat und je nach Definition den einen oder die andere bevorzugt beziehungsweise benachteiligt. Deshalb verstehen wir unser Rating auch nicht wertend – jedem und jeder ist schliesslich selbst überlassen, wie er bzw. sie soziale Medien nutzen will. Das Rating ist zudem bewusst  einfach gehalten. So gehen wir sicher, dass es transparent und gut verständlich bleibt.

Erweiterbarkeit und Zukunft

Unsere App ist keineswegs abgeschlossen. Einerseits freuen wir uns auf konkrete Verbesserungsvorschläge, andererseits haben wir vor, das Projekt in Zukunft weiterzuentwickeln, soweit gute Ideen und Zeit vorhanden sind. Denkbar wären eine Integration der Daten auf andere Websites, Zeitreihen, Netzwerkgrafiken und vieles mehr. Für Anmerkungen, Kritik, Lob und Verbesserungsvorschläge erreicht Ihr uns jederzeit über Twitter (@somepolis) und per Mail (info@somepolis.ch).

Für die Technikinteressierten

Implementiert wurde der Twittermonitor mit der Javascript-Bibliothek D3.js und der DOM-Library MooTools. Zur Generierung der mobilen Ansicht wurde unter anderem das CSS-Framework Skeleton verwendet. Die Daten werden viertelstündlich mit einem Python-Skript direkt von der Twitter API runtergeladen.

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6 Responses to SoMePolis lanciert «Twittermonitor»

  1. Pingback: Mesurer l’activité des parlementaires sur Twitter | Pegasus Data Project

  2. Hello,
    Sorry, I don’t read German. So, I don’t know if the answer to my question is in this post. :)
    I’ve discovered Twittermonitor in french, I’m a french PhD student, I’m working on the french parliament… I’m very interested in testing your tool with french MPs users.
    My question concern the way (or not) to adapt Twittermonitor with a list of twitter accounts I’ve collected. In other words, is Twittermonitor developped under a free license (or something related) which could authorized some adaptations for scientific purposes.
    Thank you in advance.

  3. Bravo pour votre grande maîtrise de d3.js ! Et pour avoir rendu cet outil public, et facile d’accès.

    Avez-vous prévu de prendre en compte l’évolution de ces comptes, c’est-à-dire par exemple de faire des captures tous les mois ? On pourrait ainsi détecter quand tout d’un coup un ou une parlementaire se décide à tweeter un peu plus ou intéragir, ou soudain cesse son activité (ce qui pourrait être un moyen de deviner une prochaine retraite).

  4. Pingback: (Roh)Diamanten in Social Media | SoMePolis – Social Media und Politik

  5. Pingback: Diamants (bruts) dans les médias sociaux | SoMePolis – Social Media und Politik

  6. Pingback: SoMePolis Twittermonitor | Timo Grossenbacher

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