Fast jede(r) Vierte hat einen Twitter-Account

Wie nutzen Bundesparlamentarierinnen und -parlamentarier Social Media? Ignorieren sie die neuen sozialen Netzwerke weitgehend? Oder sehen die Politikerinnen und Politiker darin eine echte Chance direkt mit den Menschen im Land in Kontakt zu treten? Mit diesen und anderen Fragen wird sich das Projekt SoMePolis anhand von selbst abgeleiteten facts and figures auseinandersetzen.

Liebe an Politik und Social Media interessierte Leser:

Abbildung 1 unten ist zugleich Anfangspunkt und ein erstes Teilresultat des im Dezember 2011  gestarteten Projekts SoMePolis, das sich mit der Social-Media-Nutzung der Bundesparlamentarierinnen und -parlamentarier auseinandersetzt. Wir fokussieren vorerst auf die Aktivitäten auf Twitter, dem derzeit offensten und wahrscheinlich interaktivsten Medium. Die für diesen Blogpost verwendeten Daten wurden von uns am 15. März 2012 erhoben.

Abb. 1: NR/SR-Twitter-Netzwerk nach Partei eingefärbt (Anklicken zum Vergrössern)

Abbildung 1 zeigt welche Politikerin bzw. welcher Politiker wem folgt.  Die Farbe der Kreise entspricht den Parteien und ihre Grösse der Anzahl Follower innerhalb des dargestellten Netzwerks von PolitikerInnen. Die Verbindungen zwischen den Kreisen entsprechen Follower-Beziehungen; die Verbindung hat dabei immer dieselbe Farbe wie der Follower.

Über diese Darstellung lässt sich lange diskutieren und vielleicht sogar debattieren, doch bevor sich das SoMePolis-Team zu stark in Netzwerk-Grafiken versteigt, möchten wir einige grundlegendere Analysen vornehmen und diese exklusiven Informationen dem Publikum auch vorstellen.

Wer hat wieviele Follower?

Anzahl Follower pro Twitter-User

Abb. 2: Anzahl Follower pro Twitter-User (Anklicken zum Vergrössern)

In Abbildung 2 sind die Parlamentarierinnen und Parlamentarier gemäss ihrer Follower-Anzahl angeordnet. Auf den ersten Blick stechen zwei junge und auch in der (deutschschweizerischen) Öffentlichkeit bestens bekannte Parlamentsmitglieder heraus:

Sie verfügen über jeweils mehr als doppelt so viele Follower wie der an dritter Stelle rangierende Christian Levrat (SPS) mit 2’254 Personen, die ihm folgen. Die ersten sechs Plätze (bis 1’595 Follower) machen die Vertreterinnen und Vertreter der beiden Polparteien SVP und SPS unter sich aus. Beide Parteien belegen jeweils drei Plätze.

Christoph Blocher von der SVP wird mit 0 Followern angezeigt. Er ist der einzige User, der sich einen geschlossenen Account zugelegt hat. Wer ihm folgen möchte, kann nur danach nachsuchen; er muss dann Follower bewilligen, was er scheinbar nicht tut.

Vergleicht man die Zahl der Follower und die Zahl derjenigen, denen die Account-InhaberInnen selbst folgen (das sogenannte Follower-Friend-Verhältnis), dann fällt in erster Linie Toni Brunner, Präsident der SVP Schweiz, auf: Zwar folgen ihm 1’595 User, doch er folgt lediglich 1 (!) Person, und zwar Esther Friedli von der CVP. Toni Brunners einziger Twitter-Friend ist also seine Freundin.
Das Gegenteil davon – zumindest unter den ersten sechs in Sachen Follower-Zahl – stellt Lukas Reimann (SVP) dar: Sein Follower-Friend-Verhältnis beträgt lediglich 2,5 (1’747 : 688).

Wer ist wie fleissig auf Twitter?

Anzahl Tweets pro Twitter-User

Abb. 3: Anzahl Tweets pro Twitter-User (Anklicken zum Vergrössern)

Abbildung 3 zeigt wie fleissig die Bundesparlamentarierinnen und -parlamentarier twittern. Zuoberst hat sich Balthasar Glättli, frisch gewählter Nationalrat der Grünen Partei, mit 2’178 Tweets positioniert. Lukas Reimann (SVP), der gleich an zweiter Stelle ist, hat mit 1’115 fast nur halb so viele Tweets verfasst. Glättli ist schon seit März 2009 auf Twitter präsent und hat somit im Durchschnitt fast 11 Tweets pro Woche geschrieben. Trotzdem steht er in dieser Rubrik nicht an der Spitze: Den grössten Output in kürzester Zeit kann Jean Christophe Schwaab (SPS) für sich verbuchen. Er schafft es auf fast 2 Tweets pro Tag über einen Zeitraum von über 58 Wochen.

Neun Politikerinnen und Politiker kann man sozusagen als Besitzer eines reinen “Lese-Accounts” betrachten, da diese noch keinen einzigen Tweet von sich gegeben haben. Werden auch diejenigen hinzugezählt, die eine einstellige Anzahl von Tweets für sich beanspruchen können, gehören 17 Parlamentarierinnen und Parlamentarier in die Lese-Account-Kategorie. Insbesondere die CVP ist mit 5 Repräsentanten in dieser Gruppe überproportional vertreten. Mit Lorenzo Quadri hat auch einer der beiden Lega-Parlamentarier einen “Lese-Account”. Damit relativiert sich auch die 100-prozentige Social Media-Abdeckung der Lega (Abb. 5 unten) deutlich.

Wie sind die einzelnen Parteien vertreten?

Abb. 4: Twitter-User und Twitter-Abstinente pro Partei in absoluten Zahlen

Abb. 4: Twitter-User und Twitter-Abstinente pro Partei in absoluten Zahlen (Anklicken zum Vergrössern)

Wie Abbildung 4 zu entnehmen ist, liegen CVP und SPS in der Anzahl Twitter-User gleich auf: 15 Accounts. Aber eben, die CVP verfügt über 5 Twitter-User mit “Lese-Accounts”. Es ist denkbar, dass die Mitglieder der CVP von ihrer Partei speziell für Social Media sensibilisiert worden sind – aber mit gemischtem Erfolg. In absoluten Zahlen liegt die FDP an dritter Stelle, gefolgt von der SVP, der GPS und der GLP. Lega und BDP haben auch noch Twitter-User in ihren Reihen – CSP, EVP, MCG nicht. Und auch der parteilose Thomas Minder aus Schaffhausen ist nicht auf Twitter vertreten.

Abb. 5: Twitter-User und Twitter-Abstinente pro Partei im relativen Vergleich

Abb. 5: Twitter-User und Twitter-Abstinente pro Partei im relativen Vergleich (Anklicken zum Vergrössern)

Betrachtet man dieselben Zahlen relativ (Abbildung 5), steht die CVP mit einem Anteil von Twitter-Usern von gegen 40% an der Spitze und die SPS fällt gegenüber der absoluten Betrachtung zurück. Fast gleichauf mit der CVP ist die GPS. Die Lega sticht in dieser Abbildung sehr stark hervor, weil es sich lediglich um zwei Personen handelt und beide einen Twitter-Account besitzen.

Abbildung 6 versucht nun die jeweiligen Vorteile der Abbildungen 4 und 5 zusammenzufassen: Sie zeigt den Anteil an Twitter-Usern in der Partei auf der vertikalen Achse und die absolute Grösse der Partei in den beiden nationalen Kammern auf der horizontalen Achse.

Abb. 6: Twitter-User pro Partei - Vergleich von relativen Zahlen und der Parteienstärke

Abb. 6: Twitter-User pro Partei - Vergleich von relativen Zahlen und der Parteienstärke (Anklicken zum Vergrössern)

Korrigendum: Toni Brunners Lebenspartnerin ist nicht mehr CVP-Mitglied sondern parteilos (Hinweis von Mark Balsiger, vielen Dank).

Dieser Beitrag und die darin eingebetteten Grafiken unterstehen einer Creative Commons-Attribution-Lizenz: CC-BY somepolis.ch

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4 Responses to Fast jede(r) Vierte hat einen Twitter-Account

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